Carlolinum Osnabrück

Erinnerungsorte im Wandel: Im "Hogwarts der Nazis?" – Online-Präsentation zur Gedenkstätte Wewelsburg. Ein Projekt von 38 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 9, 10, 11.

Das Renaissanceschloss Wewelsburg

Das Renaissance-Schloss Wewelsburg im Kreis Paderborn, ehemalige Nebenresidenz der Paderborner Fürstbischöfe vom Anfang des 16. Jahrhunderts, ist heute für viele Menschen ein eher geheimnisvoller Schauplatz. Doch die Wewelsburg war in der NS-Zeit kein mythischer Ort, sondern gleichsam die "Gralsburg" des verbrecherischen Herrschaftssystems der SS. Wie keine zweite Organisation repräsentierte die SS Ideologie und Terror des Nationalsozialismus. Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, ließ das dortige Renaissanceschloss zu einem Zentrum seiner Organisation ausbauen. Hier, in der Mitte des Deutschen Reiches, sollten ein Versammlungsort und eine Stätte der Selbstvergewisserung für die Führungselite der SS entstehen.

Die Wewelsburg wurde somit in Verbindung mit ihrer geplanten Verwendung als zentraler SS-Versammlungs- und Ideologiestätte zum Gegenstand weitreichender architektonischer Pläne. Eine gigantische Burganlage sollte in Wewelsburg entstehen, das "Reichshaus der SS-Gruppenführer", entworfen vom Münsteraner Architekten Hermann Bartels in enger Absprache mit Heinrich Himmler, dem Reichsführer-SS. Die umfangreichen und schweren Bauarbeiten wurden seit 1939 von den über 3.900 Häftlingen des am Ortsrand gelegenen Konzentrationslagers Niederhagen ausgeführt. Dieses rangierte ab 1941 als eigenständiges Hauptlager auf einer organisatorischen Stufe mit Lagern wie Buchenwald, Sachsenhausen oder Dachau. Mindestens 1.285 Menschen fanden vor Ort infolge der Arbeits- und Haftbedingungen sowie Misshandlungen und Willkür durch die SS-Wachmannschaften den Tod. Das Konzentrationslager in Wewelsburg war aber auch Exekutionsort der Gestapo. Mindestens 56 Menschen wurden auf dem Lagergelände oder einem unweit im Wald gelegenen Schießstand der SS ermordet.

Als bauliche Überreste der SS-Architektur sind heute zwei Räume im Nordturm der Wewelsburg erhalten geblieben: Die "Gruft" und der "Obergruppenführersaal". Über den geplanten Verwendungszweck liegen keine gesicherten Angaben vor. Ein Bodenornament aus dem "Obergruppenführersaal" ist seit den 1990er Jahren in rechten Kreisen auf der ganzen Welt zu einem Erkennungszeichen stilisiert worden.

Heute befindet sich im ehemaligen SS-Wachgebäude am Burgvorplatz die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 – 1945 mit der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“.  – 

Das Projekt "Erinnerungsorte im Wandel III – Die Wewelsburg: Im „Hogwarts der Nazis?" bot - nach "Bergen-Belsen" (2015) und "9. November" (2016) - im Rahmen der Projekttage im Juni 2017 38 interessierten Schülerinnen und Schülern unter der Leitung von Frau Evers, Frau Klamt und Herrn Steenken die Gelegenheit, die Geschichte und den erinnerungskulturellen Wandel dieses historischen Erinnerungsortes auf Grundlage ausgewählter Dokumente und Materialien eigenständig zu recherchieren, zu präsentieren und am 20. Juni 2017 im Rahmen einer ganztägigen Exkursion zur Gedenkstätte Wewelsburg als eines außerschulischen Lernortes auch vor Ort erkunden.

Die aus der inhaltlichen Auseinandersetzung erwachsenden und mittlerweile überarbeiteten Schüler-Präsentationen werden nachfolgend für weitere Formen historischen Lernens auf der Schul-Homepage (unter Lernen/Exkursionen/Geschichte) zur Verfügung gestellt:

Die Materialien entstammen dem vorzüglichen Ausstellungskatalog:

„Endzeitkämpfer. Ideologie und Terror der SS. Begleitband zur ständigen Ausstellung in der „Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945" Hrsg. von W. E. Brebeck, F. Huismann, K. John-Stucke, J. Piron, München 2011.

Ferner sei auf die Hompage der Gedenkstätte verwiesen: http://www.wewelsburg.de/de/wewelsburg-1933-1945/einstieg.php

Die teilnehmenden Schüler:

Anastasija Krätzschmar, Anika Beeke, Anna Kassen, Anne Claire Garnier, Annika Möllmann, Charlotte Prätorius, Clemens von Laer, Fabienne Kujawa, Fynn Morten Meyer, Jan Malte Brauner, Jana Schmidt, Jessika Schnall, Julia Luna Bellon Ruiz, Katharina Harre, Katharina Jeutter, Kilian Goldlücke, Lana Steuernagel, Lara Elixmann, Lara Ellrich, Lilja Sóley Hermann, Lilly Kiefer, Malte Niemann, Max Brickwedde, Mohammad Issa Idris, Moritz Jurtzig, Nele Boberg, Nele Hebbeler, Niklas Helmich, Ole Matthes Klinghagen, Oleksandr Hrytsyuk, Patricia Kainka, Paulina Dyrdas, Ranim Alahmar, Stefan Leer Svenja Gentz, Theresa Hülsmann, Till Niemann, Spartak Daniel Petrov.

 

 

Das KZ Niederhagen (Modell)
Kleidung eines KZ-Häftlings (Original)
Die sog. "Gruft" im Nordturm der Wewelsburg mit modernem Mahnmalzyklus