Carlolinum Osnabrück

Philosophie

„Du musst der Philosophie dienen, damit du die wahre Freiheit erlangst.“

Epikur von Samos (341 - 271 v. Chr.), griechischer Philosoph

Was für selbstverständlich gehalten wird oder nicht fragwürdig erscheint, stellt die Philosophie infrage. Der Philosophieunterricht bietet Gelegenheit, in kritischer Auseinandersetzung mit Denkern der Gegenwart und der Vergangenheit über existenzielle Fragen zu sprechen. Die berühmten Kantischen Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“ begegnen uns im Philosophieunterricht und reizen uns, der Welt auf den Grund zu gehen. Gerade weil es auf auf diese grundlegenden Fragen vielleicht keine eindeutigen und allgemein verbindlichen Antworten gibt, ist das Nach-Denken über sie so spannend. Wer philosophiert, prüft seine Meinungen und stillschweigenden Voraussetzungen und überdenkt seine Vorurteile. Wer philosophiert, lässt sich auf die Positionen und Argumente anderer ein, stellt Autoritäten und scheinbar Selbstverständliches in Frage und wird sich nicht zuletzt seiner eigenen Beschränktheit, Ignoranz und Unwissenheit bewusst. Wer philosophiert, setzt sich aus. Kant hat den Weg aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit daher in der Überwindung unserer Faulheit und unserer Feigheit gesehen, die uns immer wieder daran hindern, den Mut zum Selbstdenken aufzubringen. Philosophie ist, kurz gesagt, in heutiger Zeit vielleicht mehr denn je, eine Zumutung. Eine offenbar auch befreiende Zumutung, der sich zahlreiche Schüler des Carolinums ab der 11. Klasse bis zum Abitur stellen. Die niedersächsischen Rahmenrichtlinien für Philosophie lassen dabei Freiheiten, die es erlauben, auch auf die besonderen Interessen der Schüler einzugehen. Dabei werden praktische, also auf das Handeln bezogene, und theoretische, also auf die Erkenntnis bezogene Fragestellungen in allen Jahrgangsstufen gleichermaßen berücksichtigt. Ob aber nun Fragen der Freiheit oder der Wahrheit im Zentrum stehen: Ein wesentliches Ziel des gemeinsamen Philosophierens ist erreicht, wenn die Schülerinnen und Schüler Kants Gebot des Selbstdenkens und der „zwangsfreien Denkungsart“ als Prinzip nicht nur des Philosophieunterrichts (er)leben und fortan zur Geltung bringen: „Auf keines Lehrers Worte zu schwören verpflichtet sein.“

Nina Keinke und Mirjam Reischert

September 2018