Carlolinum Osnabrück

Gymnasium Carolinum stellt Projekt zum Ersten Weltkrieg bei internationaler Tagung vor

Schule aus Osnabrück zur „Eurovision 1914“ nach Oberhausen eingeladen / Veranstaltung bildet Abschluss des LVR-Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa“

Ob Schulen, Museen, Gedenkstätten oder Archive – wer ein Schülerprojekt zum Ersten Weltkrieg gestaltet hat, konnte sich beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) für eine Teilnahme bei der internationalen Tagung unter dem Titel „Eurovision 2014 – eine Zwischenbilanz“ am 19. und 20. Februar 2015 im LVR-Industriemuseum in Oberhausen bewerben. Aus über 50 Einsendungen wählte der LVR nun rund ein Dutzend Schülerprojekte aus. Auch der Seminarfachkurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Carolinum aus Osnabrück wird vor Fachleuten und Vertreterinnen und Vertretern von Schulen und Museen aus Deutschland, England, Frankreich, Italien und Rumänien seine Ergebnisse präsentieren. Diese haben sie in Kooperation mit dem Felix-Nussbaum-Haus / Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück und Jugendlichen der Projekt-Partnerschule im französischen Gap erarbeitet.

Im Kulturgeschichtlichen Museum trafen sich die Schülerinnen und Schüler am Volkstrauertag zur Führung interessierter Osnabrückerinen und Osnabrücker durch die von ihnen entwickelte Ausstellung. Foto: Gymnasium Carolinum Osnabrück.

Karikaturen und Zeichnungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs untersucht

„1914 - 1918. Mit den Augen des Anderen / Le regard de l’autre – Karikatur und Propaganda im Ersten Weltkrieg“ – so lautet der Titel des Projektes, unter dem sich die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Carolinum dem Ersten Weltkrieg gewidmet haben. Seit September 2013 haben sie unter Leitung ihres Lehrers, Heinz Hermann Steenken, und in Kooperation mit Herrn Dr. Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück, regelmäßig das Museum besucht, dort Gespräche mit Herrn Heese über die zu erarbeitenden französischen Propaganda-Graphiken geführt und diese anschließend im Unterricht ausgewertet und diskutiert. Grundlage dafür war die vom Museum dem Kurs zur Verfügung gestellte Sammlung „Kriegsbilder“ der Ernst von Siemens Kunststiftung, die französische und deutsche Karikaturen und Zeichnungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges beinhaltet. Während die deutschen Schülerinnen und Schüler die französische Perspektive erarbeiteten, setzten sich zeitgleich die französischen Schülerinnen und Schüler im südfranzösischen Gap mit deutschen Propaganda-Karikaturen auseinander. Die Quellen untersuchten sie stets mit quellenkritischem Blick auf die jeweilige „Sicht des Anderen“ und die Frage, wie historische Zeitzeugnisse jeweils im benachbarten Ausland beurteilt wurden und inwiefern es Parallelen bzw. Unterschiede gab. Ein internationales Schüler-Begegnungstreffen im französischen Verdun, wo sich 1916 Deutsche und Franzosen in einer der blutigsten und längsten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges gegenüberstanden, wird derzeit noch konzipiert.

Internationale Ausstellung entwickelt

Im Mittelpunkt stand für die Projektgruppen die gemeinsame Entwicklung einer internationalen Ausstellung, die sich mit der Bedeutung und Wirkung von Karikaturen und Propaganda kritisch auseinandersetzt und dabei die jeweiligen nationalen Perspektiven miteinander konfrontiert. So rückt die „Sicht des Anderen“ in den Fokus und macht es möglich, sich kritisch mit der gemeinsamen europäischen Geschichte zu befassen. Erstmals zu sehen war die Ausstellung von August 2014 bis zum 11. Januar 2015 im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück. Eine der nächsten Stationen wird das französische Gap sein, wo die Ausstellung am 31. Januar 2015 von Dr. Heese gemeinsam mit den französischen Projekpartnern eröffnet wird. Die französische Botschaft in Budapest will die Ausstellung zudem in der ungarischen Hauptstadt präsentieren.

 

Für das Projekt zum Ersten Weltkrieg arbeiteten die Jugendlichen in der Schule und im Museum mit Propagandagrafiken. Foto: Dr. Th. Heese, Osnabrück.

 

„Die Transnationalität, die Zusammenarbeit mit den französischen Schülerinnen und Schülern machen das Projekt besonders. Auch die längerfristige, eine Schulstunde überdauernde Arbeit mit authentischen Originalquellen im Kulturgeschichtlichen Museum als einem außerschulischen Lernort sind nicht alltäglich“, erklärt Heinz Hermann Steenken, Lehrer und Fachobmann Geschichte am Gymnasium Carolinum. „Die Intensität der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ und das außerordentliche Engagement meiner Schülerinnen und Schüler verlangen dabei höchstes Lob und Anerkennung.“ Das Projekt hat auch international bereits Aufmerksamkeit erlangt: Im November 2013 übernahm die „Mission Centenaire“ des französischen Staates das Konzept als besonderes Projekt in dessen Internetpräsentation, Anfang 2014 wurde es zudem als besonders förderungswürdig angesehen und daher mit dem Siegel „Mission Centenaire“ ausgezeichnet. Stellvertretend für ihren Seminarfach-Kurs dürfen Luca Horstmann und Lydia Hennig das Projekt nun auch noch beim internationalen Schülerkonvent in Oberhausen vorstellen. „Die Einladung nach Oberhausen ist eine Anerkennung und Auszeichnung für einen längeren, intensiven Arbeits-, Denk- und Diskussionsprozess“, bilanziert Heinz Hermann Steenken.

 „Eurovision 2014“ als Abschluss des LVR-Verbundprojektes

Mit der „Eurovision 2014“ richtet der LVR den Blick darauf, wie in europäischen Staaten an den Ersten Weltkrieg erinnert wird. Dabei geht es etwa um die Frage, wie die erneute Auseinandersetzung mit den Ereignissen vor rund 100 Jahren das historisch-politische Lernen in Europa beeinflusst. Im Mittelpunkt steht zudem, was Kinder und Jugendliche mit dem Anlass des Gedenkens verbinden. „Als kultureller Dienstleister und Träger von zwölf Museen mit museumspädagogischen Angeboten haben wir einen bildungspolitischen Auftrag, dem wir mit der Schülertagung in Oberhausen gerecht werden wollen. Gleichzeitig bauen wir eine Brücke, die dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg eine ganz besondere europäische Perspektive gerade von Schülerinnen und Schülern verleiht“, sagt Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt. Der interregionale und internationale Austausch im LVR-Industriemuseum Oberhausen bildet zudem den Abschluss des umfangreichen Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“. Seit 2013 haben bisher rund 320.000 Menschen die 13 Ausstellungen besucht, in denen der LVR aus verschiedenen Blickwinkeln die Ereignisse in der Epoche rund um 1914 beleuchtet hat. Die Zwischenbilanz analysiert, wie im Jahr 2014 an den Ersten Weltkrieg erinnert wurde. Während das Gedenken in Deutschland wesentlich auf den Ausbruch des Krieges beschränkt ist, widmen sich die europäischen Nachbarländer noch bis 2018 der Epoche vor rund 100 Jahren.

 Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.eurovision1914.lvr.de