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Heiße Themen auf dem Roten Sofa: Middelberg stellt sich den Fragen des Jahrgangs 12

Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von policy matters zur Demokratie in der Krise im
Auftrag der Körber-Stiftung zeigen, dass das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der
Demokratie derzeit schwach ausgeprägt ist: Nur 45 Prozent der Befragten geben an, großes
oder sehr großes Vertrauen in die Demokratie zu haben.

(vgl. Körber-Stiftung 10.09.2025: Persönlich optimistisch, politisch skeptisch – Deutsche blicken verunsichert
auf die Zukunft, Pressemitteilung. Online verfügbar unter: Pressemitteilung Körber-Stiftung)

Vor diesem Hintergrund verwunderte es nicht, dass beim Besuch von Dr. Mathias Middelberg
(CDU) am 27.05.2026 die erste Frage der CarolingerInnen direkt in diese Richtung zielte:
Tragen die großen demokratischen Parteien eine Mitschuld an der Krise der Demokratie –
insbesondere angesichts des Erstarkens rechtsradikaler Parteien?
Die klare Frage erhielt eine ebenso klare Antwort: Ja.

Ausgehend von diesem Eingeständnis stand der Austausch im Zeichen der Leitfrage: Was kann
und muss getan werden, um diese Entwicklung zu verbessern?

Die breite Themenpalette reichte von der finanziellen und politischen Handlungsfähigkeit der
Kommunen über mögliche Koalitionspartner angesichts bevorstehender Landtagswahlen und
sozialpolitisch notwendige Reformen bis hin zu sicherheitspolitischen Fragen. Sie spiegelte das
große Interesse der Schülerinnen und Schüler sowie ihr Bewusstsein für die politische Relevanz
und Dringlichkeit der behandelten Themen wider.

Neben vertiefenden Nachfragen im Bereich der Umverteilungspolitik stand für viele
Schülerinnen und Schüler insbesondere das Thema Wehrpflicht im Fokus. Middelberg betonte
dabei sinngemäß, dass die Verteidigung demokratischer Werte wie Freiheit, Selbstbestimmung
und staatliche Souveränität aus seiner Sicht kein Selbstzweck, sondern eine Folge der aktuellen
sicherheitspolitischen Lage sei. Diese Werte zu bewahren, bedeute daher auch, sie im
Bedarfsfall zu verteidigen.

Im weiteren Verlauf rückten – ausgehend von Fragen zu Staatsausgaben und aktuellen
Herausforderungen – somit immer wieder die finanzielle Handlungsfähigkeit des Staates sowie
notwendige Einsparungen und Wachstumsziele in den Mittelpunkt. Dabei wurde insbesondere
die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, vor allem für Unternehmen, als zentrale
Aufgabe von Middelberg hervorgehoben.

Dass es dabei auch um Sparmaßnahmen geht, die den Lebensalltag der Schülerinnen und
Schüler unmittelbar betreffen, wurde besonders deutlich in der kontroversen Diskussion über
den Lernort Schule, denn, so schloss Herr Solbach die Debatte sinngemäß, Schule sei oft der
erste Ort, an dem junge Menschen demokratische Prozesse unmittelbar erleben. Investitionen
in Bildung seien daher nicht nur eine Frage der Ausstattung, sondern zugleich eine Investition
in die Demokratie selbst.

Angesichts der Ausgangsfrage und des kontroversen Austauschs wird die Bedeutung solcher
Begegnungen zwischen (zukünftigen) Wählerinnen und Wählern sowie politischen
Entscheidungsträgern deutlich. Passend dazu betont die Politikwissenschaftlerin Paula Diehl:

„Will man der Krise demokratischer Repräsentation entkommen, braucht man Pluralität
und eine starke Zivilgesellschaft, die sich am politischen Gestaltungsprozess beteiligt,
und politische Repräsentanten, die in der Lage sind, Alternativen zu formulieren. Die
Konstruktion demokratischer Visionen und Realität ist auf beide angewiesen […]. Beide
Seiten müssen Diskurse und Bilder produzieren, die die Demokratie erneuern und ihr
aus der Krise helfen können, und sie müssen dies im öffentlichen Austausch tun.“ 

(Diehl, Paula (2016): Demokratische Repräsentation und ihre Krise. In: APuZ 40–42/2016, S. 12–17, bpb,
online verfügbar unter: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2016-40-42_online.pdf

Vor diesem Hintergrund war das Gespräch auf dem Roten Sofa ein wichtiges Beispiel für
gelebten politischen Austausch im schulischen Raum und unterstrich die Bedeutung solcher
Begegnungen.

Jana Lennartz