
Wie muss Schule gestaltet sein, damit Lernen möglichst gut gelingt? Welche Kompetenzen brauchen Schülerinnen und Schüler, um ihr eigenes Lernen zunehmend selbstständig zu planen, zu steuern und zu reflektieren? Und wie kann sich Schule weiterentwickeln, ohne Bewährtes aus dem Blick zu verlieren?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 07.09.2026 das gesamte Kollegium des Caros während der Schulinternen Lehrerfortbildung unter dem Titel „Lern(T)räume gestalten – Selbstgesteuertes Lernen als Chance für Schule“. Die Fortbildung war bewusst für Eltern- und Schülervertretungen sowie für Gäste aus anderen Schulen geöffnet. Knapp 100 Gäste kamen zusammen, darunter Delegationen von Gymnasien und Grundschulen aus Osnabrück und der Region. Unter ihnen die Ursulaschule, das Ratsgymnasium, das EMA, das GSG, die Rosenplatzschule, das Greselius-Gymnasium Bramsche und die Graf-Friedrich-Schule Diepholz. Auch viele Grundschulen folgten der Einladung, u.a. aus Vehrte, Eversburg, Schölerberg, Belm/Powe und Lechtingen.
Organisiert wurde der Tag von der Steuergruppe Schulentwicklung des Carolinums. Die bewusste Öffnung der Fortbildung hatte dabei einen klaren Gedanken: Gute Schulentwicklung lebt vom Austausch. Und dieser Austausch sollte nicht an den Grenzen der eigenen Schule enden.
Gerade im Bereich des selbstregulierten Lernens bringt die Zusammenarbeit verschiedener Schulformen wertvolle Perspektiven zusammen. Viele Kinder sammeln bereits in der Grundschule erste Erfahrungen mit selbstständigen Lernformen. Als weiterführende Schule kann und sollte man an diese Erfahrungen anknüpfen. Denn bei allen Unterschieden verbindet die beteiligten Schulen eine gemeinsame Aufgabe: Schule so zu gestalten, dass Lernen für die Schülerinnen und Schüler möglichst gut gelingt.
Im Mittelpunkt des Vormittags stand der Vortrag von Prof. Dr. Ferdinand Stebner von der Universität Osnabrück. In drei Blöcken näherte er sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst ging es um die Grundlagen des selbstregulierten Lernens, die dafür notwendigen Kompetenzen und die Rolle der Lehrkräfte. Anschließend standen die Chancen eigenverantwortlichen Lernens im Mittelpunkt. Im dritten Teil richtete sich der Blick auf die konkrete Umsetzung in Schulentwicklung und Unterricht.
Mit seiner authentischen Art und zahlreichen lebensnahen Beispielen gelang es Prof. Dr. Stebner, auch komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. So verglich er Schulentwicklung mit einem Flugzeug, das während des Fluges zu einem Schiff umgebaut werden müsse. Auch seine Erfahrungen aus der Fahrschule nutzte er, um deutlich zu machen, wie Lernen schrittweise von Anleitung zu zunehmender Eigenverantwortung führen kann.
Dabei wurde deutlich, dass selbstreguliertes Lernen nicht einfach mit offenen Lernformen gleichzusetzen ist. Vielmehr handelt es sich um eine Kompetenz, die gezielt entwickelt und gefördert werden kann. Schülerinnen und Schüler lernen beispielsweise, sich eigene Ziele zu setzen, ihren Lernprozess zu planen und geeignete Strategien auszuwählen: Was möchte ich erreichen? Wie kann ich dieses Ziel erreichen? Was hat funktioniert und was muss ich verändern?
Auch Themen wie Metakognition, Bedürfnisorientierung und Gewaltfreie Kommunikation spielen dabei eine wichtige Rolle. Studien und Forschungsergebnisse machten deutlich, wie viele Faktoren erfolgreiches Lernen beeinflussen können. Selbst der Lagerort des Smartphones könne Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten haben.
Die zentrale Botschaft des Tages war jedoch ebenso anspruchsvoll wie ermutigend: Selbstreguliertes Lernen ist keine Fähigkeit, die Schülerinnen und Schüler einfach mitbringen müssen. Es ist etwas, das gelernt werden kann und das deshalb möglichst früh gefördert werden sollte – von der Kita über die Grundschule bis spätestens zum Beginn der weiterführenden Schule.
Nach dem Vortrag ging es für die Kolleginnen und Kollegen in eine gemeinsame Arbeitsphase. Dabei entstanden zahlreiche Gespräche, neue Ideen und viele sogenannte Aha-Momente. Die Rückmeldungen machten deutlich, dass der Tag bei vielen Beteiligten eine große Aufbruchsstimmung ausgelöst hat.
Der Titel „Lern(T)räume gestalten“ beschreibt dabei bewusst mehr als nur räumliche Veränderungen. Es geht um Lernräume und Freiräume, um neue Ideen und um die Frage, wie Schule künftig aussehen kann. Der Fortbildungstag war deshalb nicht das Ende eines Entwicklungsprozesses, sondern vielmehr ein Startpunkt.
Das Carolinum möchte diesen Weg nun gemeinsam weiterdenken und gestalten. Mit den Schülerinnen und Schülern, mit den Eltern, mit dem Kollegium und im Austausch mit anderen Schulen. Denn wenn Schule sich weiterentwickelt, geht es letztlich immer um dieselbe Frage: Wie schaffen wir gute Bedingungen dafür, dass junge Menschen erfolgreich lernen und zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Lernweg übernehmen können?