
„Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Situation an den Schulen in Niedersachen? Wie kann Ihrer Meinung nach das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Demokratie gestärkt werden? Und was hat die Entwicklung des VW- Werks für den Ruf Osnabrücks als „Friedensstadt“ und für uns als BürgerInnen zur Folge?“
Diese und weitere Fragen konnten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe am 30.09.2026 dem niedersächsischen Ministerpräsidenten stellen. Im Rahmen des von der SV organisierten Politik-Talks #mitReden hatten sie die Möglichkeit, mit Olaf Lies ins Gespräch zu kommen und politische Themen anzusprechen, die sie selbst und ihre Region betreffen. Marie Freudenthal und Heinrich Meyer moderierten die Veranstaltung und führten die Diskussion so durch die drei Themenblöcke „Schule im Wandel“, „liberale Demokratie“ und „VW und Osnabrück“. Das Publikum konnte jederzeit Zwischenfragen stellen oder weitere Fragen anonym am Ende über einen QR- Code einreichen.
Zunächst ging es um die Herausforderungen, die mit der kommenden Oberstufenreform inklusive Profilauflösung einhergehen. Ein zentrales Problem stellt dabei der bereits bestehende Lehrkräftemangel dar. Olaf Lies betonte hierbei vor allem die hohe Zahl an Studienabbrüchen, an der man arbeiten müsse, um langfristig eine ausreichende Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Die immer früher einsetzende Digitalisierung in Schulen sieht er vor allem als Chance und zwangsläufige Folge der sich verändernden Umstände. Über die Handynutzung sollen die Schulen jedoch weiter individuell entscheiden können.
Auch offene Fragen zu der anstehenden Reform gibt es im Hinblick auf den zunehmenden Rechtsextremismus und sinkendes Vertrauen in die Demokratie, gerade bei jungen Wählerinnen und Wählern. Durch die Auflösung der Profile soll es künftig möglich sein, eins der beiden Fächer Politik und Geschichte vollständig abzuwählen. Olaf Lies sieht dies allerdings nicht als besonders problematisch an, da der Politik- und Geschichtsunterricht laut ihm keinesfalls die gesamte politische Bildung ausmache. Den Grund für die große Unzufriedenheit mit Politik und Demokratie sieht er insbesondere in bürokratischen Hürden und einem fehlenden Demokratiebewusstsein. Um das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder zu stärken, müsse man den WählerInnen demokratische Prozesse näher bringen, sie verständlicher und nachvollziehbarer machen. Ein Beispiel hierfür seien
Veranstaltungen wie #mitReden, bei denen junge Menschen mit Politikerinnen und Politikern ins Gespräch kommen können.
Bezogen auf das VW Werk stellte Olaf Lies eine Arbeitsplatzsicherung bis mindestens Ende 2029 in Aussicht. Zudem betonte er, er könne verstehen, dass einige der Beschäftigten, die bei VW angefangen hatten, um Autos zu bauen, nun „Bauchschmerzen“ und „innere Konflikte“ bei dem Gedanken hätten, Rüstungsgüter zu produzieren. Trotzdem solle die Friedensstadt Osnabrück langfristig zu einem „Rüstungstandort“ mit weiteren Firmen werden, an dem nicht nur Produktion, sondern auch Forschung und Entwicklung betrieben wird. Um sicherzustellen, dass die hergestellte Militärtechnik nur zu Verteidigungszwecken genutzt werde, müsse man sich den geplanten Einsatzbereich vorher genau ansehen.
Die offene Fragerunde zum Schluss wurde ebenfalls gut genutzt und gab den Schülerinnen und Schülern noch die Gelegenheit, erweiternde Fragen zu stellen. Auch diese #mitReden Veranstaltung war insgesamt ein Erfolg und ermöglichte einen direkten Austausch mit dem Ministerpräsidenten über Politik und Demokratie im eigenen Lebensumfeld.
Fotos: StK Niedersachsen